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Lieblingsköder Ultraboost by Bullseye

Zander+Hecht 265cm - Spinnrute
ZanderHechtJiggenFaulenzenSpinMad4 Min. Lesezeit
8.6
EXPERT RATING
Lieblingsköder Ultraboost by Bullseye Zander+Hecht 265cm - Spinnrute
QUICK VERDICT

Die Kooperation von Lieblingsköder und Bullseye (Schweiz) liefert eine Rute, die weit über ihrem Preis spielt. Perfekt abgestimmt auf Gummifische und SpinMads.

TESTBERICHT

Erster Eindruck

Wenn Deutschlands bekannteste Gummifisch-Marke zusammen mit einem Schweizer Rutenspezialisten eine Spinnrute entwickelt, wird man hellhörig. Lieblingsköder hat sich über Jahre eine riesige Community aufgebaut - mit Ködern, die in fast jeder Tacklebox stecken. Bullseye aus der Schweiz kennen dagegen nur Eingeweihte: Die Jungs bauen seit Jahren leise, aber auf hohem Niveau Ruten, die vor allem in Skandinavien einen exzellenten Ruf haben.

Die Ultraboost Zander+Hecht in 265cm ist das Ergebnis dieser Kooperation. Und der erste Eindruck macht neugierig: 158 Gramm Eigengewicht bei 265cm Länge, Fuji-Ringe, Fuji-Rollenhalter - und das Ganze für unter 190 Euro. Auf dem Papier klingt das fast zu gut. Die Rute kommt in einem schlichten, dunkelgrauen Design mit dezenten Lieblingsköder-Logos. Kein Bling-Bling, keine übertriebene Farbgebung. Das gefällt.

Verarbeitung

Der High-Modulus Japan-Carbon-Blank ist keine T1100G-Faser, das muss man klar sagen. Aber für die Preisklasse ist das Material absolut überzeugend. Der Blank fühlt sich straff an, hat eine schnelle Spitzenaktion und genug Rückgrat im Mittelteil, um auch kräftigere Fische kontrollieren zu können. Die Verarbeitung der Ringe ist sauber - Fuji K-Concept Alconite ist hier die Wahl, ein solider Mittelklasse-Ring, der seinen Job zuverlässig erledigt.

Der Fuji TVS Rollenhalter ist eine angenehme Überraschung in dieser Preisklasse. Er sitzt fest, überträgt Vibrationen gut und sieht wertig aus. Hier hat Bullseye offensichtlich am richtigen Ende investiert. Die Wicklungen sind ordentlich, der Lack gleichmäßig aufgetragen. Keine losen Fäden, keine unsauberen Übergänge.

Der Griff ist ein Split-Grip-Design aus EVA - funktional und modern, aber auch der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Wer klassische Korkgriffe mag, wird damit nicht warm. Für alle anderen: Der Griff liegt gut in der Hand, auch bei Nässe, und die Länge ist perfekt abgestimmt für einhändiges Werfen und beidhändigen Drill.

Am Wasser

Die Ultraboost wurde ganz klar auf eine Mission hin entwickelt: Gummifische und SpinMads präzise und weit werfen, feinste Bisse registrieren und Fische sicher drillen. Und genau das macht sie verdammt gut.

Am Rhein bei Köln haben wir die Rute drei Sessions lang intensiv getestet. Hauptsächlich mit Lieblingsköder Gummifischen in 10cm und 12.5cm auf 14g und 20g Jigköpfen - die Kombination, für die diese Rute entwickelt wurde. Die Abstimmung merkt man sofort: Der Blank lädt sich beim Wurf sauber durch, entlässt den Köder mit einem knackigen Impuls und bringt 15-20g Jigköpfe mühelos auf Weite. Bei 20g Kopf und 12.5cm Gummi liegt der Sweet Spot - hier stimmt einfach alles.

Die Rückmeldung beim Jiggen ist für eine Rute unter 200 Euro bemerkenswert. Grundkontakt kommt klar und deutlich in der Hand an. Man spürt den Unterschied zwischen hartem und weichem Grund, registriert das typische Tick-Tick eines Zander-Bisses in der Absinkphase ohne Probleme. Bei einer Abendsession konnten wir drei Zander zwischen 55 und 68cm landen - die Rute hat jeden Drill souverän gemeistert, ohne dass man Angst um den Blank haben musste.

Beim Faulenzen zeigt die Ultraboost ihre vielseitige Seite. Die Spitze ist sensibel genug, um auch bei dieser Technik den Köderkontakt zu halten. Und mit SpinMads bis 25g macht die Rute ebenfalls eine gute Figur - die schnelle Spitzenaktion passt perfekt zum aggressiven Einholen dieser Köder.

Was weniger gut funktioniert: Am oberen Ende des Wurfgewichts, also bei 40-50g, wird der Blank merklich weicher. Für schwere Hechtköder sollte man eher zur Heavy-Version greifen, falls es eine gibt. Im Bereich 10-35g ist die Rute aber absolut in ihrem Element.

Die 265cm Länge ist ein guter Kompromiss zwischen Wurfweite vom Ufer und Handlichkeit auf dem Boot. Etwas kürzer als klassische 270cm-Ruten, aber der Unterschied ist in der Praxis kaum spürbar.

Fazit

Mit 8.6 von 10 Punkten ist die Lieblingsköder Ultraboost by Bullseye eine der besten Ruten, die man aktuell für unter 200 Euro bekommen kann. Die Kooperation zwischen deutschem Köder-Know-how und Schweizer Rutenbau-Kompetenz funktioniert. Die Rute ist perfekt abgestimmt auf das, was die meisten Zander- und Hechtangler am Wasser machen: Gummifische und SpinMads im Bereich 10-30g fischen.

Klar, es ist kein High-End-Blank. Wer den direktesten Kontakt und das geringste Gewicht will, muss mehr investieren. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schlicht herausragend. Fuji-Bestückung, ordentliche Verarbeitung und ein Blank, der deutlich über seiner Preisklasse spielt - mehr kann man für 185 Euro nicht verlangen. Für Angler, die eine zuverlässige Allround-Spinnrute suchen, ohne ein Vermögen auszugeben, ist die Ultraboost eine klare Empfehlung.

PRO
+Unglaubliches P/L unter 190€ mit Fuji-Bestückung
+Blank überträgt feinste Bisse direkt in die Hand
+Perfekt abgestimmt auf 15-30g Gummifische
+Vielseitig vom Ufer und Boot
CONTRA
Kein High-End-Carbon wie T1100G
Griffdesign ist Geschmackssache
Verfügbarkeit manchmal eingeschränkt
Veröffentlicht am 4. März 2026