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Hearty Rise Predator IV

PR4-892M - Spinnrute
ZanderBarschHechtJiggenFaulenzenSpinnfischen4 Min. Lesezeit
8.9
EXPERT RATING
Hearty Rise Predator IV PR4-892M - Spinnrute
QUICK VERDICT

Taiwanesische Präzision trifft europäisches Raubfisch-Angeln. Der Toray T1100G Blank ist ein Traum - leicht, direkt und mit genug Rückgrat für kapitale Fische.

TESTBERICHT

Erster Eindruck

Hearty Rise - der Name sagt den meisten deutschen Anglern erstmal wenig. Die taiwanesische Marke fliegt seit Jahren unter dem Radar, während sich alle auf die großen Japaner und Skandinavier stürzen. Dabei baut Hearty Rise seit über 30 Jahren Ruten auf absolutem Top-Niveau. Die Predator IV in der 892M-Variante ist ihr Statement für den europäischen Raubfischmarkt: 267cm, 10-42g Wurfgewicht, und ein Datenblatt, das selbst eingefleischte Tackle-Nerds aufhorchen lässt.

Wenn man die Rute zum ersten Mal in die Hand nimmt, fällt sofort auf, wie leicht sie ist. 158 Gramm bei fast 2,70m Länge - das ist eine Ansage. Die Balance sitzt perfekt am Rollenhalter, die Rute fühlt sich nicht kopflastig an, obwohl der Blank bis in die Spitze durchgeladen ist. Optisch hält sich Hearty Rise angenehm zurück: Dezentes Design, keine grellen Farben, kein überflüssiger Schnickschnack. Das ist eine Rute, die über Performance verkauft werden will, nicht über Marketing.

Verarbeitung

Das Herzstück ist der Toray T1100G Blank mit NET-V III Verarbeitung. Für alle, die sich fragen, was das bedeutet: Toray ist der japanische Weltmarktführer für Carbonfasern, und T1100G ist deren Premium-Linie. Die NET-V III Technologie sorgt dafür, dass die Fasern dreidimensional verwoben werden, was den Blank bei minimalem Gewicht extrem verwindungssteif macht. Klingt nach Werbesprech, merkt man aber sofort in der Hand - der Blank gibt null nach, wenn man ihn dreht.

Die Beringung ist durchgehend Fuji SiC S in Edelstahl. Solide, bewährt, keine Experimente. Die Ringe sitzen absolut sauber, die Wicklungen sind makellos lackiert. Aber das eigentliche Highlight ist der Fuji TC Rollenhalter aus Titan-Carbon. Der sitzt bombenfest, wiegt quasi nichts und überträgt jede Vibration direkt an die Hand. Man merkt: Hearty Rise hat hier nicht an der falschen Stelle gespart. Das ist Premiumklasse, die man bei europäischen Marken erst ab 500 Euro aufwärts findet.

Der EVA-Griff ist Geschmackssache. Persönlich hätte ich hier Kork bevorzugt, aber das EVA ist hochwertig, griffig auch bei Nässe und dürfte deutlich länger halten als jeder Kork in der Preisklasse. Die Abschlusskappe sitzt bündig, der Übergang zum Blank ist sauber verarbeitet. Insgesamt: Handwerklich gibt es hier absolut nichts zu beanstanden.

Am Wasser

Den ersten echten Test hat die Predator IV am Rhein bei Düsseldorf absolviert - klassisches Zanderangeln mit 14g und 18g Jigköpfen, bestückt mit 10cm Gummifischen. Schon beim ersten Wurf merkt man den Unterschied zu günstigeren Blanks. Die Rute lädt sich beim Ausholen sauber durch und entlässt den Köder mit einer Präzision, die man sonst nur von High-End-Japanern kennt. Die Wurfweite ist beeindruckend, besonders bei Gegenwind zeigt der steife Blank seine Stärke.

Beim Jiggen kommt die direkte Rückmeldung voll zum Tragen. Man spürt nicht nur den Grundkontakt, man spürt die Art des Grundes. Kies, Sand, Muschelbett - der T1100G überträgt alles ungefiltert in die Hand. Zander-Bisse in der Absinkphase registriert man als klares Tick, da gibt es kein Rätselraten. Bei einem abendlichen Session konnte ein 72er Zander im Drill zeigen, dass die Rute trotz ihrer Leichtigkeit genug Rückgrat hat, um auch kapitale Fische kontrolliert zu führen.

Am Wochenende dann der zweite Test: Barschangeln an einem Baggersee bei Köln. Mit 7g und 10g Jigköpfen am unteren Ende des Wurfgewichts gefischt. Auch hier überzeugt die Predator IV. Die Spitze ist sensibel genug, um auch mit leichten Gewichten saubere Grundkontakte zu melden. Ein Schwarm aktiver Barsche um die 30cm machte richtig Laune an der feinen Rute - jeder Biss ein Erlebnis, jeder Drill ein kleines Gefecht.

Wo die Rute an ihre Grenzen kommt: Bei sehr schweren Ködern über 35g wird der Blank merklich weicher. Für schweres Hechtangeln mit großen Gummilatschen ist die 892M nicht die richtige Wahl - dafür gibt es die schwereren Modelle in der Predator-IV-Serie. Im angegebenen Wurfgewichtsbereich von 10-42g arbeitet sie aber tadellos, mit dem Sweet Spot bei 12-28g.

Fazit

Mit 8.9 von 10 Punkten gehört die Hearty Rise Predator IV PR4-892M zu den besten Spinnruten, die wir bisher in der Hand hatten. Der T1100G Blank ist auf dem Niveau von Ruten, die 500 Euro und mehr kosten. Die Fuji-TC-Bestückung ist absolut erstklassig. Die Verarbeitung lässt keine Wünsche offen.

Ja, 370 Euro sind kein Schnäppchen. Aber wer einmal eine Rute mit diesem Blank gefischt hat, versteht, warum Taiwan in der Rutenwelt längst auf Augenhöhe mit Japan steht. Die Predator IV ist ein Hidden Gem für alle, die das Beste wollen, ohne den japanischen Premium-Aufschlag zu zahlen. Absolute Empfehlung für ambitionierte Zander- und Barschangler, die eine universelle Spinnrute auf höchstem Niveau suchen.

PRO
+Extrem leichter T1100G Blank mit direkter Rückmeldung
+Fuji TC Rollenhalter - absolute Premiumklasse
+Verarbeitung auf höchstem Niveau
+Universell von 10-42g einsetzbar
CONTRA
Preis über 350€ ist nicht für jeden
Nur im Fachhandel erhältlich
EVA-Griff statt Kork - Geschmackssache
Veröffentlicht am 4. März 2026