Capt'n Greenfin Tungsten NED System
Tungsten statt Blei - kompakter, sensibler und ungiftig. Premium-Preis, aber die beste bleifreie Finesse-Lösung am Markt.
Erster Eindruck
Blei ist giftig. Das weiß jeder. Trotzdem steckt es in fast jedem Jigkopf, jedem Cheburashka, jedem Drop-Shot-Gewicht. Die EU arbeitet an einem Bleiverbot für den Angelsport (ECHA REACH Beschränkung), und spätestens dann werden Alternativen gebraucht. Capt'n Greenfin aus der Schweiz bietet mit ihrem Tungsten NED System schon jetzt eine Premium-Lösung: Jigköpfe aus reinem Wolfram, kombiniert mit japanischen High-Carbon-Haken.
Tungsten - oder Wolfram, wie wir Deutschen sagen - hat einen entscheidenden Vorteil: Es ist 1,7-mal dichter als Blei. Das bedeutet: Gleiche Gewichtsklasse, aber deutlich kompakterer Kopf. Und das macht beim Finesse-Angeln einen spürbaren Unterschied. Die Greenfin-Köpfe kommen in 5g, 7g und 10g - perfekt für NED Rig, Finesse Jig und leichtes Zander-Jiggen.
Verarbeitung
Die Tungsten-Köpfe sind beeindruckend. Im direkten Vergleich mit einem 7g Blei-Jigkopf ist der Größenunterschied deutlich sichtbar: Der Greenfin-Kopf ist rund 40% kleiner bei identischem Gewicht. Die matt-schwarze Beschichtung ist gleichmäßig aufgetragen und wirkt unter Wasser natürlich und unauffällig.
Die Haken sind das zweite Highlight. Chemisch geschärfte High-Carbon-Haken aus japanischer Produktion - scharf genug, um sich bereits beim Hinlegen in den Finger zu bohren. Die Verbindung zwischen Tungsten-Kopf und Haken ist sauber verarbeitet, der Haken sitzt bombenfest. Hier merkt man die Schweizer Qualitätsansprüche.
Was sofort auffällt, wenn man den Kopf in die Hand nimmt: Das Material klingt anders. Blei ist dumpf und weich, Tungsten hart und metallisch. Wenn der Kopf auf Stein trifft, gibt es einen spürbaren, harten Impuls statt dem gedämpften Blei-Aufprall. Diese physikalische Eigenschaft ist kein Gimmick - sie macht sich beim Fischen tatsächlich bemerkbar.
Die Verpackung folgt dem Greenfin-Nachhaltigkeitskonzept: Recycelter Karton, keine Plastikblister, minimales Material. Drei Köpfe pro Packung, sauber eingelegt. Kein Schnickschnack, kein Müll.
Am Wasser
Den ersten Test haben wir am Neckar gemacht - klassisches NED Rig mit einem 6cm Craw an der 7g Tungsten. Schon beim ersten Grundkontakt merkt man den Unterschied: Der Aufprall ist härter, direkter als mit Blei. Du spürst nicht nur, dass du am Grund bist, du spürst, was am Grund ist. Kies gibt ein anderes Signal als Schlamm, Holz fühlt sich anders an als Stein. Diese Sensibilität ist der Hauptgrund, warum Bassangler in den USA seit Jahren auf Tungsten schwören.
Die kompakte Kopfform hat noch einen Vorteil: Der Köder sinkt schneller und kontrollierter. Bei Strömung bleibt der NED Rig näher am Grund und driftet weniger ab als mit dem größeren Blei-Kopf. Am Neckar mit seiner moderaten Strömung ist das ein echter Vorteil.
Der erste Barsch kommt nach zehn Minuten - ein 32er, der den NED Rig klassisch von unten eingesaugt hat. Der Haken sitzt sofort, kein Nachsetzen nötig. Die Schärfe der japanischen Haken zahlt sich aus. In der nächsten Stunde folgen drei weitere Barsche zwischen 25 und 35cm - alle sauber gehakt, kein Aussteiger.
Am Kanal dann der Test auf Zander mit der 10g Variante. Hier zeigt sich: Auch für leichtes Zanderangeln ist das System geeignet. Die 10g reichen in 3-4 Meter Tiefe aus, um den Grundkontakt zu halten, und die Bisserkennung ist exzellent. Ein 58er Zander bestätigt: Das System fängt.
Und dann kommt der Moment, den jeder Tungsten-Angler fürchtet: Der Hänger. 7g Tungsten, festgesetzt zwischen zwei Steinen. Mit Blei hätte man den Jigkopf für 20 Cent abgeschrieben. Hier sind es über 4 Euro, die am Grund liegen bleiben. Das tut weh. Aber - und das ist der entscheidende Punkt - im Gegensatz zu Blei vergiftet der Tungsten-Kopf nicht das Gewässer. Er liegt inert am Grund, bis ihn irgendwann jemand rausfischt oder er sich zersetzt.
Was sagen andere?
In den USA ist Tungsten bei Bassanglern längst Standard. In Deutschland steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen, aber die Community wächst. Die Preisdiskussion dominiert die Foren: "Vier Euro pro Jigkopf - das ist Wahnsinn" liest man häufig. Gefolgt von: "Aber die Sensibilität ist eine andere Welt."
Capt'n Greenfin wird in der Nachhaltigkeitsdebatte als einer der Vorreiter gesehen. Die Kombination aus bleifrei und plastikfrei (bei den Softbaits) macht die Marke zu einem Gesamtkonzept, nicht nur zu einem Einzelprodukt.
Kritik kommt hauptsächlich beim Preis und bei der eingeschränkten Auswahl. Drei Gewichtsklassen und eine Farbe sind für manche zu wenig. Hier hat die Marke noch Potenzial nach oben.
Pro & Contra
Pro:
Contra:
Fazit
Das Capt'n Greenfin Tungsten NED System beweist: Bleifrei angeln ist nicht nur möglich, sondern bringt sogar handfeste Vorteile. Die kompaktere Kopfform und die härtere Materialeigenschaft sorgen für bessere Bisserkennung und kontrollierteren Köderlauf. Die japanischen Haken sind erstklassig.
8.2 von 10 Punkten - der Preis ist der einzige echte Wermutstropfen. Über vier Euro pro Jigkopf sind für viele Angler eine Ansage, besonders an hängerträchtigen Gewässern. Aber wer einmal die Sensibilität von Tungsten erlebt hat, will nur ungern zurück zu Blei. Und wer sich dazu noch Gedanken über die Umwelt macht, hat hier die beste verfügbare Lösung.
Mit dem bevorstehenden EU-Bleiverbot wird Tungsten ohnehin zur Pflicht. Wer sich jetzt schon umgewöhnt, hat später keinen Anpassungsstress. Capt'n Greenfin zeigt mit dem NED System, dass die bleifreie Zukunft des Angelns bereits begonnen hat.